Wie es angefangen hat

Es war eine normale VO₂max-Einheit aus dem TrainerRoad-Plan. Fünf mal vier Minuten bei 110–115% FTP, je zwei Minuten Pause dazwischen. Auf dem Papier machbar. Ich habe es schon öfter gemacht.

Was ich nicht berücksichtigt hatte: Es war ein stressiger Tag gewesen. Eine lange Besprechung die nichts gebracht hat, zwei Deadlines gleichzeitig, wenig gegessen mittags. Ich bin um 21:30 Uhr in den Keller gegangen weil ich das Training nicht verschieben wollte.

Der dritte Intervall

Die ersten zwei Intervalle liefen. Nicht gut, aber sie liefen. Beim dritten war es anders. Nicht die Beine — die haben noch mitgemacht. Sondern der Kopf.

Plötzlich war die Erschöpfung vom Tag da. Der Stress, die Mails, das Gefühl zu viel auf einmal zu tragen. Und gleichzeitig 113% FTP. Der Körper wollte einfach nicht mehr. Ich habe den Intervall abgebrochen, die Bremse gezogen und bin einfach locker weitergerollt.

Kein dramatisches Aufgeben. Aber auch kein gutes Gefühl.

Was ich falsch gemacht hatte: Nichts gegessen seit dem Mittagessen. Sieben Stunden vorher. Für eine Zone-2-Einheit reicht das irgendwie noch. Für VO₂max-Intervalle ist das schlicht zu wenig Fuel.

Hart vs. zu hart — der Unterschied

Hart ist wenn man kämpft und es geht durch. Man leidet, man schwitzt, man will dass es aufhört — aber man macht weiter und es funktioniert. Das Gefühl danach ist gut.

Zu hart ist wenn mehrere Faktoren gleichzeitig schief gehen. Schlechtes Fueling, akkumulierter Stress, schlechter Schlaf die Nacht davor — und dann eine Maximaleinheit obendrauf. Der Körper hat schlicht nicht die Ressourcen dafür. Das ist kein mentales Versagen. Das ist Biologie.

Was ich seitdem anders mache: Vor jeder harten Einheit kurz checken: Wie viel habe ich heute gegessen? Wie war der Tag? Wie gut habe ich geschlafen? Wenn zwei von drei rot sind, wechsle ich auf Zone 2. Das ist keine Niederlage — das ist Planung.

Das Fueling-Problem

VO₂max-Intervalle laufen fast ausschließlich auf Glykogen. Der Körper hat keine Zeit auf Fett umzuschalten — die Belastung ist zu kurz und zu hoch. Wenn die Speicher leer sind, bricht die Leistung ein. Schlicht und einfach.

Ich hätte 30–45 Minuten vor der Einheit etwas essen sollen. Banane, ein Riegel, eine Handvoll Gummibärchen — irgendetwas mit schnellen Kohlenhydraten. Das hätte den dritten Intervall gerettet. Vielleicht auch den vierten und fünften.

Was ich mitgenommen habe

Man kann nicht jeden Tag sein bestes Training machen. Manchmal ist der Körper einfach nicht bereit — und das hat nichts mit Disziplin oder Willen zu tun. Es hat mit Schlaf, Stress, Ernährung und akkumulierter Belastung zu tun.

Seitdem höre ich besser hin. Nicht bei jedem Intervall — aber beim ersten Einsteigen auf die Rolle weiß ich meistens schon ob heute ein harter Tag werden kann oder ob ich besser locker fahre. Diese Ehrlichkeit mit sich selbst ist schwieriger als jeder Intervall.

Das Gute: Die Einheit die ich abgebrochen habe war trotzdem kein verlorener Tag. Locker weiterfahren nach dem Abbruch, ordentlich essen danach, früh schlafen — und zwei Tage später die Einheit nochmal. Diesmal mit Fueling. Diesmal alle fünf Intervalle.
AfterFuel PreFuel — was vor harten Einheiten sinnvoll ist
Sportart, Dauer und Intensität eingeben — AfterFuel zeigt wie viel und was du vor der Einheit essen solltest.